porträtiert

Ich habe seit Beginn meiner Recherche mit vielen Sprechstundenschwestern gesprochen. Sie zu finden, ist eine Herausforderung, denn die meisten gehören einer Generation an, die weder in den sozialen Medien präsent sind, noch viel Aufhebens um ihre Lebensleistung machen.

Wer aus dem Beruf ausgestiegen ist, hat häufig damit abgeschlossen. Kränkungen sind relativ häufig ein Thema, an dem nicht mehr gerüttelt werden soll. Eine Wunschprotagonistin starb vor einem Treffen. Das ist tragisch, aber es verdeutlicht, dass die Zeit begrenzt ist, in der Zeitzeuginnen befragt werden können.

Sprechstundenschwestern, die noch im erlernten Beruf tätig sind, fürchten Nachteile durch den Arbeitgeber und wollen anonym bleiben. Das sagt einiges über die Atmosphäre im deutschen Gesundheitswesen. Selbstbewusste, leistungsstarke  Frauen scheinen nicht überall gewünscht zu sein. 30 Jahre nach der Wende bei täglich medial zelebriertem Fachkräftemangel!

Ich habe mich entschieden, keine anonymen Porträts zu veröffentlichen. Ich bin der Meinung, dass es sich hier nicht um eine investigative Arbeit handelt, die ein entsprechendes Vorgehen legitimieren würde.

Ein weiteres Prinzip habe ich mir gesetzt: alle Frauen, mit denen ich spreche, muss ich persönlich getroffen und gesprochen haben. Meist erfolgen mehrere Gespräche und Kontakte. Ich erwarte nicht, dass von einer Minute zur anderen Vertrauen entsteht. Deshalb gebe ich allen redebereiten Sprechstundenschwestern die individuelle Zeit, die es braucht, bevor sie einer Veröffentlichung zustimmen. Das tun sie, ohne den endgültigen Text zu kennen. Dafür bin ich sehr dankbar, denn diese Frauen beweisen Mut und Berufsstolz.