Teil 2
Das Überraschendste
Dabel (Mecklenburg-Vorpommern)
Das DDR-Museum in Dabel (Landkreis Ludwigslust-Parchim) ist von April bis Oktober mittwochs, freitags und sonntags von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Leider nicht barrierefrei. Die Gänge sind eng, sodass Kinderwagen und Hunde nicht erlaubt sind. Im ersten Moment wirkt alles sehr vollgestopft. Bei näherem Hinsehen kristallisieren sich die Schwerpunkte der Ausstellung heraus. Wahre Superlative: die größte Spirituosensammlung, die größte Limonadensammlung, die größte Deckenleuchtensammlung, die größte Biersortensammlung, die größte Tortentellersammlung und die größte Wanduhrensammlung. Kurz: „die größte private Sammlung zur Alltagskultur der DDR“.

Kunstdruck mit Krankenschwester im DDR-Museum Dabel (Urheber unbekannt, 2023)
Eine eigene Abteilung zum Gesundheitswesen gibt es nicht, jedoch finden sich in der Ausstellung immer mal wieder Hinweise auf die medizinische Versorgung. Mal ein Kunstwerk, mal Fotos zur Musterung für die NVA, aber auch zwei Glasvitrinen gut identifizierbarer Medikamente und Salben sowie Erste-Hilfe-Zubehör. Kurze, gut verständliche Erklärungen an den Regalen ordnen ein.
Alleinstellungsmerkmal:
Viele Exponate zu Spezialthemen, meist in unterschiedlichen Ausführungen. Cafe Rondo mit Softeis, Ferienwohnungen im ehemaligen Kinderferienlager auf dem Gelände.
Das Bekannteste und das Neueste
Berlin, DDR-Museum und Depot
Das DDR-Museum in Berlin, direkt an der Spree gelegen, dürfte vor allem für internationale Gäste am bekanntesten sein. Wer sich vertiefen möchte, kann das durch zahlreiche interaktive Elemente – ob Trabi-Fahrsimulator, Kindergarten, Wohnzimmereinrichtung oder Stasi-Verhörzimmer. Auch Filme und Audiostationen laden zum Vertiefen ein. Erklärtexte sind in Deutsch und Englisch verfügbar. Als DDR-sozialisierte Person finde ich Pauschalisierungen wie folgende nicht glücklich und frage mich, was Menschen davon halten, die die Zeit nicht erlebt haben.
So wird beispielsweise Vollbeschäftigung erklärt:
An Arbeit mangelt es nicht. Vor den Betriebstoren hingen Stellenangebote: Produktionsarbeiter waren gesuchte Kräfte, entsprechend selbstbewusst traten sie auf. Der Betrieb wurde oft zur zweiten Heimat. Gute Arbeit wurde auch gut bezahlt. Einzelpersönlichkeiten und Brigaden wurden mit „Ordensblech“ überhäuft und in der „Straße der Besten“ geehrt. Gemeinsam wurde die Prämie vertrunken. Auch sonst war das Kollektiv wichtig – eine „Fuhre nebenbei“ war immer drin. Damit nahmen sich manche ihren Teil des Volkseigentums zurück.
Zum Gesundheitswesen finden sich in der Ausstellung vereinzelte Hinweise. Unter anderem ist zu erfahren, dass eine Hilfspflegerin (Assistant nurse) in der Charité Berlin 510 Mark im Monat verdiente. Kann ich aus Dresdner Erfahrung absolut nicht unterschreiben (1983 ca. 200 M weniger).
Profundere Informationen sind im Badschrank versteckt. Überschrift: „Gesundheit ist zentral“. Die Rolle der Poliklinik wird mit dem allgemeinen Zwang zur Sparsamkeit und der zentralen staatlichen Lenkung begründet. Zitat: „Doch die technische Ausstattung und Versorgung mit Medikamenten waren oft mangelhaft und das Wartezimmer überfüllt – eine Geduldsprobe für Mediziner und Patienten. Doch eine Alternative gab es kaum.“ Zwei mit wenigen Medikamenten und Verbandszeug bestückte Vitrinenfächer sollen den Mangel wohl versinnbildlichen.
Das Depot des DDR-Museums in Berlin-Marzahn war für mich aus Sicht des Gesundheitswesens die interessantere Ausstellung, vielleicht auch, weil sie viel mehr Platz für Dinge als im Museum hat. Eine Führung dort ist empfehlenswert.
Alleinstellungsmerkmal:
Wirbt mit „Geschichte zum Anfassen“. Bisher zwei Mal für den European Museum of the Year Award nominiert.

Automodell SMH im Museumsshop (2026)
Fotos: Dagmar Möbius
-> Teil 3

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