Die besten DDR-Museen aus Sicht des Gesundheitswesens (3/3)

Teil 3

Der Geheimtipp

Löwenberg (Brandenburg)

Sammelsurium Hautpflegemittel (2026)

Nur an wenigen Besuchertagen im Jahr öffnet die DDR-Zeitreise im brandenburgischen Löwenberg (Landkreis Oberhavel). Das vom gemeinnützigen Verein „Museum Umformerwerk Löwenberg e. V.“ getragene DDR- und Eisenbahnmuseum ist barrierefrei und familienfreundlich. Weil die Initiatoren überzeugt sind, dass alle Menschen freien Zugang zu Bildung, Kultur und Geschichte haben sollen, wird kein Eintritt erhoben. Auf 1000 Quadratmetern kann man in den DDR-Alltag eintauchen, sich über die Geschichte der Eisenbahn und über die Funktion des ehemaligen Umformerwerks informieren. Anfassen ist hier in vielen Fällen erlaubt. Regelmäßig werden Sonderausstellungen gezeigt. Beim Besuchertag im August 2026 bezog sie sich auf den früheren VEB Infrarotanlagen Oranienburg, der eine eigene Poliklinik hatte. Eine spezifische Gesundheitsabteilung gibt es nicht, was sich aus dem Schwerpunkt der Sammlung erklärt. Einzelne Erinnerungsstücke aus dem medizinischen Bereich finden sich.

​Alleinstellungsmerkmal:

Ehrenamtlich getragenes Museum, das keinen Eintritt erhebt. Politisch-neutraler Ort, eigene Zeitschrift und eigenes Museumsbier.

Eingang Zeitreise Löwenberg

 

 

 

Aufmacherfoto: Eingang zum DDR-Museum Zeitreise Löwenberg mit Krankentrage und Sani-Tasche

 

Die Unbekannteste

Seifhennersdorf (Sachsen)

In der Oberlausitz, nahe der tschechischen Grenze, befindet sich das Karasek-Museum. Das Heimatmuseum der besonderen Art informiert in erster Linie über den Räuberhauptmann Karasek und die Zeit der Räuber, Schmuggler und Wilddiebe. Zudem über die böhmische Enklave von 1635 bis 1849, über das Leben der Leineweber, Umgebindehäuser und mehr. Auch eine DDR-Ausstellung unter dem Motto „Damals in der DDR – das tägliche Leben“ ist zu besichtigen. Das Besondere an ihr: Die Exponate wurden ursprünglich von Schülern für ein Heimatkundeprojekt zusammengetragen. Die Viertklässler hatten 1985 die Werkleiter und Kombinatsdirektoren der größten Betriebe des ehemaligen Bezirkes Dresden angeschrieben und um typische Produkte gebeten. Heute sind rund 1000 Exponate aus Arbeit, Schule, Haushalt, Kultur und Freizeit zu bewundern. Gelernte DDR-Bürger werden staunen, denn einige der dort versammelten Konsumgüter haben sie vorher noch nie zu Gesicht bekommen.

Preisbeispiele aus der DDR verursachen nostalgische Gefühle:

0,05 M für ein kleines Brötchen

0,08 M für eine Kilowattstunde Elektroenergie (ohne weitere Gebühren)

0,10 M bis 0,15 M für eine Tageszeitung

0,78 M für ein 1,5 kg-Roggenmischbrot

1,50 M für einen Liter Benzin 88 Oktan (Normal)

70,00 M für eine Monatsmiete für eine 60-Quadratmeter große Neubauwohnung inklusive aller Nebenkosten.

Interessant ist auch ein konkreter Exkurs ins regionale Gesundheitswesen, wie man ihn sich öfter wünschte. Über den einzigen Cordhersteller der DDR, den VEB Lautex, Werk 3 / 4 mit ehemals 350 Beschäftigten ist zu erfahren, dass ein Allgemeinmediziner und ein Frauenarzt als Betriebsärzte tätig waren und es eine DRK-Sanitätsstube gab. Zudem eine Betriebsküche, die auch Schulen und Kindergärten belieferte, eine Betriebsverkaufsstelle für Lebensmittel, eine Bibliothek, ein Kinderferienlager, Urlaubsplätze in Ferienheimen und Basteiwohnwagen, eine Nähstube, eine Betriebszeitung, einen Betriebsverkauf für Cord, Bettwäsche und Stoffe, eine Laienspieltheatergruppe sowie eine Betriebssportgemeinschaft für Fußball bzw. Handball.

Aus Platzgründen werden keine Exponate mehr angenommen. Ausnahme: Hausaufgabenhefte der DDR, am liebsten mit Einträgen.

Alleinstellungsmerkmal:

Exponate und Erläuterungen mit regionalem Bezug. Fokus Konsumgüter, Genussmittel, Briefmarken, Volksbildung, Pionierorganisation und Kinderferienlager, Gesundheitswesen und Urlaubserlebnisse.

Impression mit Betriebsarzt, Gemeindeschwester und SV-Ausweis. (2026)

 

 

 

 

 

 

 

 

Fazit:

Eine Glasspritze aus den 1950-ern erzählt wenig über die Arbeit im DDR-Gesundheitswesen.

Auch ein nebenan gestellter Autoklav ohne Erklärtext macht es nicht besser.

Laien verstehen nicht, wie viel Aufwand allein mit Reinigung und Sterilisation von medizinischen Utensilien getrieben werden musste. Aus heutiger Sicht mit den allgegenwärtigen Wegwerfprodukten kaum noch vorstellbar.

Was die fachliche Arbeit aus Schwesternsicht betrifft, können die vorgestellten Museen maximal eine Ahnung vermitteln. Medizinhistorische Sammlungen wären für diesen Part der Geschichte eine bessere Option.

 

Fotos: Dagmar Möbius

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2 Kommentare zu “Die besten DDR-Museen aus Sicht des Gesundheitswesens (3/3)”
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