Untergegangen, aber nicht vergessen

Was für eine Überraschung zum Tag der Arbeit: Der Berliner Kurier hat am 1. Mai über vergessene Berufe der DDR berichtet. Als ehemalige Sprechstundenschwester finde ich mich in illustrer Runde mit Gregor Gysi und Peter-Michael Diestel, beide ehemals Facharbeiter für Rinderzucht, wieder. Gesprochen hat der Autor mit mir übrigens nicht, aber prima, dass die Thematik der verschwundenen Berufe einen anderen Leserkreis erreicht hat.

Dispatcher sind auch fast ausgestorben

Im Beitrag werden auch Dispatcher erwähnt und erklärt: „Sie waren keine einfachen Angestellten, sondern leitende Mitarbeiter.“ Verantwortlich für planmäßigen Ablauf sowie die operative Lenkung und Kontrolle von Produktions- und Verkehrsprozessen, vornehmlich in Schlüsselbranchen. „Bergbau, Maschinenbau, Verkehr, Metallurgie, Elektrizität und Chemie“ werden genannt. Was fehlt, sind Feuerwehr und Rettungsdienst. Das kann ich ergänzen.

Von 1990 bis 1992 war ich als Dispatcherin bzw. Mitarbeiterin der Rettungsleitstelle der Dresdner Feuerwehr tätig. Dass ich als leitende Schwester fungierte, hat ein Artikel von Carola Lauterbach (ƚ) der Sächsischen Zeitung im Jahr 1991 festgehalten. Das Beitragsfoto oben stammt von Waltraut Kossack. Sie hatte es mir geschenkt, weil es damals nicht in der gedruckten Zeitung erschien. Im Vorjahr suchte ich die langjährige SZ-Fotografin, um die Bildrechte zu klären. Im Verlag wusste man nichts über ihren Verbleib. Ich fand sie in kürzester Zeit und telefonierte mit ihr.

Kein fun fact: Als den Verantwortlichen der Stadtverwaltung einfiel, dass Sprechstundenschwestern laut Gesetz nicht mehr beruflich legitimiert waren, wechselte ich in eine Arztpraxis, legte dort nebenberuflich die für mich degradierende Zusatzberufsausbildung als „Arzthelferin“ ab und arbeitete noch einige Jahre im ambulanten Gesundheitswesen, bevor ich in die Klinik wechselte.

Lücken sind für die Forschung interessant

Es freut mich, dass ich regelmäßig von Forschenden zur Thematik angefragt werde. Für Hausarbeiten, Bachelor- und kürzlich für eine Masterarbeit in Pflegewissenschaften. Ich bin gespannt, welche Erkenntnisse noch gewonnen werden.

 

Foto: mit freundlicher Genehmigung von Waltraut Kossack, Dresden

Schwester Elisabeth (am Telefon), ich (mit gepunkteter Bluse) und Schwester Angelika in der Rettungsleitstelle, 1991 in der Industriestraße, gegenüber dem Städtischen Krankenhaus Dresden-Neustadt, befindlich.

 

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