DDR-Geschichte kommt in Pflege- und anderen medizinischen Ausbildungen so gut wie nicht vor. Dabei hatte das Gesundheitswesen durchaus Spezifisches. Doch wer das erfahren möchte, findet in musealen Sammlungen wenig.
Zwischen Mangelwirtschaft und Idealismus
Vorweg: Ich habe (noch) nicht alle Einrichtungen besucht, die die Geschichte des vergangenen Landes bewahren wollen. Mein Fokus richtete sich bei allen Besuchen auf das Gesundheitswesen und auf DDR-Sammlungen in Ostdeutschland. Ein Teil davon existiert schon nicht mehr. Das Interesse lässt nach, so die überwiegende Begründung von Schließungen. Die meisten Museen in privater Trägerschaft verfolgen bestimmte Sammlungsschwerpunkte. Die medizinische Versorgung gehört in der Regel nicht dazu. Falls doch, beschränkt sie sich auf Einrichtungsgegenstände, medizinische Utensilien oder Medikamentenschachteln. Bei Besuchenden kann so eher der Eindruck der bedauernswerten Mangelwirtschaft entstehen. Aber wird das der Realität gerecht?
Eine subjektive Einschätzung in drei Teilen á zwei Museen.
Heute Teil 1.
Das aufgelöste Museum
Dresden (Sachsen)
Das Inventar von „Die Welt der DDR“ am Albertplatz in Dresden, vormals „Zeitreise“ in Radebeul, wurde 2023 versteigert und somit in alle Welt verstreut. Die private Sammlung war sehr umfangreich und umfasste eine eigene Abteilung zum Gesundheitswesen. Medizintechnik, typische Gegenstände einer ambulanten Praxiseinrichtung vom Glasschrank über Tragen bis zum Infusionsständer und OP-Besteck. Das Karree war mit einer Kordel abgesperrt, sodass man nichts anfassen durfte. Schilder erklärten die Exponate. Zudem war eine komplette Apothekeneinrichtung mit mehr als 2000 Medikamenten zu bewundern.
Alleinstellungsmerkmal:
Viele Fach- und Lehrbücher aus vielen Jahrzehnten waren ausgestellt. Einige davon sind heute antiquarisch erhältlich.

Blick in die ehemalige „Welt der DDR“ in Dresden (2019)
Die authentischste Ausstellung
Pirna (Sachsen)
Das DDR-Museum in Pirna in der Sächsischen Schweiz befindet sich in einer ehemaligen Kaserne. Für die 2.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche im Innen- und Außenbereich sollte man Zeit einplanen. Sie geben einen umfassenden Einblick in den Alltag der DDR. Kindergarten, Schule, Konsum, Wohnung Freizeit, Urlaub, Armee und Polizei sind nur einige Stichworte. Der Blick in ein Poliklinik-Zimmer durch den Türrahmen gleicht einem Wimmelbild. So viel gibt es zu entdecken. Vom Holzschreibtisch mit Schreibmaschine über Medizinwagen bis zu anatomischen Modellen. Im Gang finden sich in einer Vitrine Erste-Hilfe-Zubehör, Urkunden, Anleitungen und Originalfotos aus den 1950-er Jahren einer Krankenschwester aus dem Krankenhaus Prenzlauer Berg.
Alleinstellungsmerkmal:
Einordnende, umfangreiche Erklärungen zum Sozialversicherungssystem der DDR. Im Außenbereich: Die ehemalige 25 Meter lange Kinderstraßenbahn „Lottchen“.

Poliklinik im DDR-Museum Pirna (2019)
Übrigens:
So verteilte sich der Unterricht der zehnklassigen allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule 1988 in Prozent:
| Deutsche Sprache und Literatur | 22,9 % |
| Kunsterziehung/Musik | 6,8 % |
| Gesellschaftswissenschaftlicher Unterricht | 10,9 % |
| Mathematik | 17,7 % |
| Naturwissenschaftlicher Unterricht | 12,2 % |
| Fremdsprachen | 11,0 % |
| Körpererziehung | 7,5 % |
| Polytechnischer Unterricht | 11,0 % |
Quelle: „40 Jahre DDR“ – Staatliche Zentralverwaltung für Statistik, Mai 1989
Fotos: Dagmar Möbius
Aufmacher: DDR-Medikament Calcipot C aus dem VEB GERMED, gesehen in Karaseks Revier in Seifhennersdorf
-> zu Teil 2.
